Zitate aus Shirley

S. 386:
Wer nicht hungrig ist, hat leicht reden über das Entwürdigende von Almosen und so weiter, aber er vergißt, wie kurz das Leben ist und wie bitter. Keiner von uns hat lange zu leben: helfen wir einander doch in den Zeiten der Not und des Elends, so gut wir können, ohne lange auf die Einwände einer nichtssagenden Philosophie zu achten.

S. 414:
Weder die Jugend noch ein schönes Aussehen, noch Armut oder irgendein liebenswürdiger äußerer Zauber bedeutet in den Augen Gottes Schönheit oder Güte.

S. 422:
Ein frischer Wind fegte die silbergrauen, hoch aufgetürmten Regenwolken hinweg, trieb sie eine nach der anderen an den östlichen Horizont, an dessen Saum sie immer kleiner wurden, um dann schließlich dahinter zu verschwinden. Sie ließen ein reines, strahlend blaues Himmelsgewölbe zurück, das bereit war für die Herrschaft der Sommersonne.

S. 472/473:
Ich hab` jetzt gute vierzig Jahre auf dieser Welt gelebt, und ich glaub`, daß <das Volk> keinen wirklichen Freund hat außer sich selbst und vielleicht noch `n paar anständige Leute aus den verschiedensten Ständenm die mit aller Welt gut Freund sind. Eigentlich denken doch alle Menschen bloß an sich selber. Das ist schon außerordentlich selten und nur`ne Ausnahme hier und da und ab und zu, wenn sich, wie bei euch zwei Jungen und bei mir, Leute aus verschiedenen Bereichen verstehen und Freunde sind, ohne Kriecherei auf der einen Seite und Hochmut auf der anderen.

S. 565:
Ich glaube zutiefst, daß wir gemacht sind, das Leben zu schätzen und zu genießen, solange wir es besitzen. Bestimmt war das Dasein nicht von Anfang an als dies sinnlose, öde, fade, sich schwerfällig dahinschleppende Etwas gedacht, zu dem es für viele, auch für mich, wird.

S. 775:
Robert, die Welt ist merkwürdig, und die Menschen sind aus dem schäbigsten Bodensatz gemacht, denn das gärende Chaos aufgewühlt hat.

S. 776:
Ich glaube - und finde es täglich bestätigt - daß wir auf dieser Welt nichts von dauerhaftem Wert erlangen können, nicht einmal einen Grundsatz oder eine Überzeugung, ohne durch ein läuterndes Feuer oder eine stärkende Gefahr gegangen zu sein. Wir geraten auf Abwege, wir stolpern, wir werden gedemütigt - und später gehen wir vorsichtig weiter. Gierig essen und trinken wir Gift aus dem vergoldeten Becher des Lasters oder aus dem Bettelsack der Habsucht, wir werden krank und verkommen; alles, was gut in uns ist, rebelliert, unsere Seele erhebt sich bitter empört gegen unseren Leib, und es kommt eine Zeit des Bürgerkriegs. Wenn die Seele stark ist, obsiegt sie und herrscht am Ende.


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