[Rezension] Der Märchenerzähler (Antonia Michaelis)

Der Märchenerzähler

Autor: Antonia Michaelis

Verlag: Oetinger
Erscheinungsdatum: Februar 2011
Gebundene Ausgabe mit 448 Seiten

ISBN: 978-3-7891-4289-5
Preis: 16,95€
Empfehlung: ab 14 Jahren

Teil einer Reihe: Nein

Kurzbeschreibung: Abel Tannatek ist ein Außenseiter, ein Schulschwänzer und Drogendealer. Wider besseres Wissen verliebt Anna sich rettungslos in ihn. Denn es gibt noch einen anderen Abel: den sanften, traurigen Jungen, der für seine Schwester sorgt und der ein Märchen erzählt, das Anna tief berührt. Doch die Grenzen zwischen Realität und Fantasie verschwimmen. Was, wenn das Märchen gar kein Märchen ist, sondern grausame Wirklichkeit? Was, wenn Annas schlimmste Befürchtungen wahr werden?

Meinung: Dieses Buch habe ich nur aus der Bücherei ausgeliehen, werde es mir aber definitiv kaufen, weil es mich sehr berührt und sprachlos zurück gelassen hat.

Anna ist mitten in den Abivorbereitungen und kann sich eigentlich keinerlei Ablenkung leisten. Aber als sie die Puppe von Abels kleiner Schwester findet ist sie sofort fasziniert von ihm. Sie folgt ihm und seiner Schwester in die Mensa und hört Abels Märchen. Danach kommt sie ihm immer näher und irgendwann wird aus dem Märchen tödlicher Ernst.

Ich kann einfach nur WOW sagen. Anfangs dachte ich, hier geht es um eine normale Liebesgeschichte. Aber das war ganz klar falsch gedacht. Antiona Michaelis entführt uns in eine Welt voller Geheimnisse, Mord, Intrigen, Fragen und eines Märchens.

Anna ist normal, vielleicht sogar langweilig und sagt von sich selbst, sie lebe in einer Seifenblase. Bisher war sie immer brav, erlaubt sich keine Eskapaden und lernt fleißig für ihr Abi, damit sie in England studieren kann. Aber dagegen ist Drogendealer, Schulschwänzer und hat keine Ziele in seinem Leben. Zumindest wirkt das auf den 1. Blick so. Auf den 2. Blick entpuppt er sich als liebender und fürsorglicher Bruder und als netter Kerl. Und damit kommen wir auch zu Micha, Abels kleiner Schwester. Sie ist einfach die Sonne in Person, voller guter Laune und noch nicht von der Welt verdorben.

Die restlichen Charactere waren auch sehr gut beschrieben und zu jedem konnte ich mir ein Bild machen. So wirkte das Buch sehr echt, als wäre man direkt dabei. Mit allerlei Irrungen und Wirrungen führt die Autorin den Leser auf eine falsche Spur. Bis zum Schluss hatte ich eine bestimmte Person in Verdacht, was sich als total falsch herausstellte. Aber auch sonst ist die Autorin eine Meisterin im Manipulieren. Während des Lesens kam mir jede Entscheidung der Protagonisten richtig vor, was an den realistischen Erklärungen lag, ist man aber mit Lesen fertig, wird einem bewusst, was da eigentlich wirklich passiert und wie falsch das ist.


Das Märchen in der Geschichte ist genauso faszinierend und enthält neue Aspekte auf die eigentliche Story. Erst spät erkannte ich, wer die Person in Wirklichkeit ist, die im Märchen auftaucht. Letzten Endes wusste ich es dann aber.

Nachdem ich das Buch angefangen habe konnte ich es kein einziges Mal aus der Hand legen. Der Märchenerzähler hat echte Pageturner Qualitäten und das sage ich nicht von vielen Büchern.

Was den Schreibstil angeht, kann ich nur sagen, dass dieser richtig super ist. Antonia Michaelis lässt einen die Höhen und Tiefen mit durchleben, leiden und lieben. Wie oben schon geschrieben kann sie so gut schreiben, dass der Leser manipuliert wird. Das muss man als Autor erstmal hinbekommen. So wird der Täter als Opfer gesehen, es wird um ihn getrauert und der Leser ist sich zwar bewusst, was dieser Mensch getan hat, kann es ihm aber verzeihen und weint am Ende um ihn. Und wo ich schon beim Schluss bin. Das Ende war einfach herzzereißend und ich musste einige Tränchen verdrücken, bei der Szene, als Micha anfängt zu singen.

Fazit: Anna und Abel reißen den Leser in ihre Welt und lassen ihn auch nach Beenden des Buchs noch nicht los. Bisher mein Monats Highlight (7. Mai 2013)
Cover und Kurzbeschreibung via Oetinger

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