Zitate aus Die drei Leben der Tomomi Ishikawa von Benjamin Constable



Wenn ich auf mein Leben und alles, was passiert ist, zurückblicke, dann wünsche ich mir jedes Mal, ich könnte es ungeschehen machen. Ich habe nichts getan, worauf ich stolz bin. Ich will noch mal ganz von vorne anfangen und diesmal anders sein. S. 59

Und die Asche der Toten rieselte auf uns nieder wie Schnee. Der Tod bedeckte die Bürgersteige und Straßen, wallte mit der warmen Luft den Broadway hinauf und bettete sich auf die Fenstersimse in den Wohngebeiten der Upper West Side, legte sich als dicke Staubschicht auf Autodächer und unser Haar, während wir ziellos durch die Straßen wanderten und als Zuschauer, Voyeuere, einen Blick auf Zweifel und Unverständnis in den Gesichtern der Leute zu erhaschen versuchen, die uns begegnen. S. 68

Mir geht es wunderbar mit meiner guten alten Depression. Und ich hoffe, dass sie mich einfach nach und nach zerstört und mein Körper sich zersetzt, von innen nach außen, sodass ich in himmlischem Schmerz dahinscheiden kann, klar und süß, und dann wird es dunkel. S. 93

Aber eigentlich glaube ich, dass wir alle bloß Tiere sind, die versuchen, ihren eigenen Hintern zu retten oder das Überleben ihrer Spezies zu sichern. Wir sind nichts als ichbesessene Fleischklopse, die nach körperlicher Befriedigung gieren und durch irgendwelche chemischen Prozesse dazu getrieben werden, sich fortzupflanzen. Hormone, die Emotionen erzeugen, damit wir unsere Jungen beschützen. Habsucht und Neid. Das ist meiner Meinung nach Liebe. Wir halten uns für höhere Wesen, dabei sind wir genauso wie alle anderen Kreaturen Sklaven unseres triebhaften Körpers und aller möglichen Formen von Irrglauben. Das ist reine Chemie. S. 280

Wo eine Geschichte endet, liegt im Ermessen des Erzählers. Heute weiß ich, ich hätte sie in New York enden lassen und glücklich und zufrieden bis in alle Ewigkeit sein sollen. Aber das tat ich ich nicht; stattdessen schrieb ich sie weiter, jedes Wort, jede Stufe abwärts kostete mich quälende Sekunden und selbst nach ein paar Minuten konnte ich hinter mir noch immer das Licht am oberen Ende der Treppe sehen. S. 331

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